Das 39. BME Symposium für Einkauf & Logistik setzt Akzente für mehr Innovation und Wachstum

Innovation und Wachstum waren das Motto des 39. BME-Symposiums Einkauf & Logistik am 15. und 16. November 2004 im Hotel Intercontinental in Berlin. Mehr als 1.500 Teilnehmer konnten sich im Rahmen von Plenumvorträgen und mehr als 20 Fachkonferenzen über aktuelle Entwicklungen in Einkauf und Logistik informieren. Insgesamt präsentierten 120 Referenten Konzepte, Innovationen und Strategien rund um die Themen Einkauf und Logistik.

Erst im vergangenen Jahr hatte der BME eine eigene Sektion „Logistik“ ins Leben gerufen, welche dann in diesem Jahr offiziell, im Rahmen eines Kick-Off, die Arbeit aufgenommen hat. Ziel soll es sein der zunehmenden funktionellen Verzahnung von Einkauf und Logistik auch im Verband Rechnung zu tragen. Darüber hinaus bietet der BME ein Forum sowohl für Anbieter, als auch Nachfrager von Logistikleistungen. Dennoch konnte Ulrich Fricke, Vorstandsvorsitzender des BME, in seiner Eröffnungsrede zum Symposium die thematische Herkunft des BME nicht vollständig überwinden. Als er forderte, dass Unternehmen einen mit allen notwendigen Befugnissen ausgestatteten CPO (Chief Purchasing Officer) an die Spitze ihrer Einkaufs- und Logistikabteilungen stellen sollten, ordnete er die Logistik mit dieser Aussage ebenfalls dem Einkauf unter. Gleichsam würde die Logistik mit dieser Forderung auf einen kleinen Teilbereich, nämlich die Beschaffungslogistik, reduziert. Wie auch in der betrieblichen Praxis vieler Unternehmen bleibt deshalb zu hoffen, dass auch im BME schrittweise der Supply Chain Management Gedanke verinnerlicht und die Logistik als gleichwertige Funktion, neben Einkauf, integriert wird.

Kai-Uwe Ricke sind in der Telekommunikation einen Wachtungsmotor für Deutschland
Im Anschluss an die Eröffnungsrede gaben prominente Vertreter der Deutschen Telekom AG, der Deutschen Post AG sowie der Stinnes AG Einblicke in aktuelle Strategien und zukünftige Herausforderungen der Unternehmen in ihren jeweiligen Märkten. Kai-Uwe Ricke, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG erläuterte das enorme Wachstumspotential des Telekommunikationsmarktes und verglich die Auswirkungen und Veränderungen, welche die technologischen Entwicklungen der Telekommunikation der kommenden Jahre auf die Gesellschaft haben werden, mit der automobilen Revolution des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Jedoch mit der Einschränkung, dass es sich mit Bezug auf die Telekommunikation eher um eine Evolution handele, da sich der Prozess trotz der enormen Innovationsgeschwindigkeit in kleineren Schritten vollziehe. Dabei stünden zukünftig weniger die Technologien selbst, wie beispielsweise der nicht unumstrittene UMTS-Standard, im Fokus des mobilen Kunden, als vielmehr die vom Netzbetreiber angebotenen Lösungen und Produkte - unabhängig von der Technologie auf welcher diese basieren.

Dr. Frank Appel, Vorstandsmitglied der Deutschen Post AG erläuterte im 2. Vortrag des ersten Konferenztages die Wichtigkeit eigener globaler Logistiknetzwerke, um global aufgestellten Unternehmen effiziente und kostengünstige Logistikdienstleistungen anbieten zu können. Insbesondere mit Blick auf den boomenden chinesischen Markt seinen eigene Transport- und Logistikkapazitäten vor Ort ein enormer Wettbewerbsvorteil.

Dr. Bernd Malström forderte eine Lieberalisierung des Europäischen Schienenverkehrs
Dr. Bernd Malström, Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn AG und Vorstandsvorsitzender der Stinnes AG skizzierte im Anschluss die notwendigen politischen und strukturellen Veränderungen, welche notwendig seien, um die Bahn als Transportmittel konkurrenzfähig zu halten. Große Probleme entstehen seinen Worten nach insbesondere durch weitestgehend abgeschottete Schienennetze in den einzelnen europäischen Staaten, welche einen grenzübergreifenden Schienenverkehr erschweren und dazu beitragen, dass europäisch aufgestellte Kunden das Schienennetz für Warentransporte nur stark eingeschränkt nutzen könnten. Darüber hinaus bewertete Dr. Malström die Rolle des Bundes als Eigentümer der Deutschen Bahn AG durchaus kritisch, da die Verbindung wirtschaftlicher und verkehrspolitischer Interessen zu einer Instrumentalisierung der Bahn führen. Als Erfolg bewertete er dagegen die Integration der Stinnes AG in den Deutsche Bahn Konzern, da die Verbindung von Bahn und Logistikdienstleister enorme Synergiepotentiale biete. Einer Öffnung des Schenker-LKW-Landverkehrsnetzes für konkurrierende Logistikdienstleister erteilte er jedoch eine klare Absage. Schenker wolle diesen Wettbewerbsvorteil nicht teilen, da es neben DHL derzeit kein vergleichbares Logistiknetzwerk in Europa gebe.

Auf Grund einer zur selben Zeit stattfindenden Pressekonferenz im Konrad Adenauer Haus konnte Frau Dr. Angela Merkel, Vorsitzende der CDU Deutschland und Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion, nicht wie angekündigt im Rahmen des Symposiums auftreten. Stattdessen hielt Laurenz Meyer, Generalsekretär der CDU Deutschland einen Vortrag mit dem Titel "Politik für Wachstum und Innovation in Deutschland".

Laurenz Meyer, Generalsekretär der CDU Deutschland forderte mehr Innovation von der Politik
Im Anschluss an die Plenumvorträge fanden am Nachmittag zehn parallele Fachkonferenzen zu unterschiedlichen Themen aus Einkauf und Logistik statt. Die Konferenzteilnehmer konnten sich dort im Rahmen von zahlreichen Präsentationen und Vorträgen aus der Praxis über Best-Practice Lösungen und Konzepte aus erster Hand informieren. Engagierte Referenten aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen gaben den Teilnehmern fachliche Impulse und erläuterten, anhand von zahlreichen Praxisbeispielen, aktuell verfolgte Strategien und Lösungskonzepte. Parallel zu den Plenumvorträgen und Fachkonferenzen informierten mehr als 100 Aussteller im Rahmen einer begleitenden Fachmesse über innovative Dienstleistungen und Lösungen zu Problemen rund um die Bereiche Einkauf und Logistik. Im Rahmen der anschließenden Abendveranstaltung, welche die bekannte Fernsehmoderatorin Nina Ruge moderierte, wurde zudem der BME Innovationspreis 2004 and die Gildemeister AG sowie der BME Wissenschaftspreis 2004 verliehen.

Am zweiten Tag des Symposiums konnten die Teilnehmer in weiteren 10 parallel stattfindenden Fachkonferenzen weitere Praxisinformationen aus erster Hand erhalten. Am Nachmittag betonte Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender der Linde AG, im Rahmen eines Plenumsvortrags in einem humorvollen und interessanten Vortrag die enorme Wichtigkeit von Materialwirtschaft und Logistik für den wirtschaftlichen Erfolg eines jeden Unternehmens. Dies mache zudem zukünftig eine deutliche Steigerung des Stellenwertes und der Attraktivität für entsprechend qualifizierte Mitarbeiter in diesen Bereichen notwendig. Im Anschluss an die Rede von Herrn Reitzle wurde dann der Hochschulpreis 2004 der Henkel AG an die Kandidatinnen und Kandidaten verliehen. Zum Ausklang des zweiten Konferenztages beantwortete Erwin Staudt, Präsident des Bundesligaklubs VFB Stuttgart 1893 e.V., die Frage ob Erfolg im „Unternehmen Fußball“  planbar sei.

Links zum Thema
Offizielle Symposiums-webseite des BME
Am dritten Konferenztag standen praktische Arbeitsworkshops im Vordergrund. Insgesamt fünf Workshops widmeten sich mit Themen wie beispielsweise einer standardisierten Lieferantenbewertung, dem Erkennen von Risikolieferanten, oder einer effizienteren Preisarbeit schwerpunktmäßig einkaufsorientierten Themen. Auch hier ist es an der Sektion Logistik im kommenden Jahr eigene Workshops mit logistischen Themenstellungen anzubieten, um das BME-Symposium noch attraktiver für Fach- und Führungskräfte aus Logistik und Supply Chain Management zu machen.

Autor: Volker Süßmeyer



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